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Schatztruhe Kommunikation

Am Anfang war das Wort … direkt danach kam das Missverständnis.

Lernen Sie die Kunst der offenen Kommunikation! Lernen Sie Ihren Gesprächspartner direkt und ehrlich zu erreichen! So manche schwierige Gesprächssituation lässt sich klären – wenn man weiß wie.

Ob es darum geht für das eigene Anliegen einzustehen oder Kritik zu äußern – Häufig beeinflussen Zweifel, Unsicherheiten und die Sorge vor ungewissen Reaktionen unsere Kommunikation. Lernen Sie, wie Sie Sachverhalte überzeugend auf den Punkt bringen und Gespräche zielorientiert lenken. Verbal und Nonverbal.

Informationen teilen bedeutet Vertrauen aufbauen.

Inhalte:

  •     Umgang mit schwierigen Gesprächssituationen
  •     Möglichkeiten zur Konfliktlösung
  •     Konstruktive Kritik/Feedback
  •     Gespräche zielorientiert lenken
  •     Körpersprache verstehen und nutzen
  •     Kraftvolles Auftreten
  •     Freude am Lernen!

 

 

Dauer: 10.00 – 17.00 Uhr

Termine für Sonthofen: Kolping Bildungsstätte, An der Eisenschmelze 8,

87527 Sonthofen

22. April 2012  ausgebucht

16. Juni 2012   ausgebucht

Termine für Wertach: Alpenhof Reuterwanne, Reuterwanne 1,

87497 Wertach

17. Mai 2012  ausgebucht

21. Juli 2012 noch 1 Platz frei

Investition: 139,90 €

Rückblick auf die Expedition: Erkenntnisse

Nun sind mehr als vier Wochen vergangen. Ich stecke wieder mitten in der Arbeit. Seminare vorbereiten, Trainings abhalten, getroffene Entscheidungen umsetzen, neue Ziele entwickeln, die neuen Werte leben.

Der Aconcagua hatte eine lange Zeit des letzten Jahres in Anspruch genommen. Zeit für die Vorbereitung. Vorbereitung der Expeditionslogistik, Sponsorensuche, eigenes Training, etc.

Alles kam anders als geplant. Das Ziel den höchsten Berg außerhalb Asiens zu besteigen, erreichte ich nicht. Monatelanges Training, Entbehrungen, finanzieller Aufwand, Organisation, Logistik. Und am Ende ein unerreichter Gipfel. Als ich endlich im Basislager war, war die anfangs so euphorische Stimmung plötzlich verflogen. Die Energie war weg. Zuerst ein Gefühl des nicht Verstehens, dann schließlich nicht Akzeptierens, schließlich geplagt von Hoffnungslosigkeit und einem Gefühl des Versagens. Doch in Wirklichkeit tat sich eine Tür auf. Es gibt niemals nur einen Weg. Hier entschloss ich mich nach gründlichem Abwägen, einen anderen Weg zu gehen. Durch das Aufgeben des einen Gipfels, erhielt ich meine Gesundheit. Das war mehr wert als jeder Gipfel. Vor 5 Jahren war ich in Norwegen unterwegs. Solo. Im Winter. Nach drei Tagen musste ich ebenfalls aufgeben. Extreme Wetter, unzureichende Ausrüstung. Doch mein Wille, das Ziel zu erreichen, war ungebrochen. Ich sammelte mehr Informationen, perfektionierte die Ausrüstung. Trainierte im Sommer in Lappland meine Psyche. Ich wollte wissen, ob ich mein Durchhaltevermögen noch hatte. Eine Solotour durch den sarek, die letzte Wildnis Europas, sollte es mir zeigen. Ich schaffte die Durchquerung. Wilde Gebirgsbäche musste ich durchwaten, Schneefelder überqueren. Einsamkeit und Stille aushalten. Genießen. Nach 14 tagen war ich am Ziel. Im nächsten Winter ging ich wieder nach Norwegen. Ich schaffte die Durchquerung! Hier lernte ich: “wenn es auf die eine Art nicht geht, versuche es auf eine andere. Solange, bis es geht!” – Vorausgesetzt, das Ziel entspricht Deinen inneren Zielen. Damals war es so. Ich schaffte es. Diesmal war es nicht mehr so. Ich akzeptierte. Ich lernte. Manchmal ist es mehr Wert, die Erkenntnis zu erlangen, dass das Ziel nicht das Ziel ist. Es besser ist abzubrechen. Sich neu zu orientieren. Das ist wirtschaftlicher. Das hält am leben. In der Wirtschaft, wie auch am Berg.

Nachdem ich, nach meiner Rückkehr aus Südamerika, noch einmal mit engen Freunden gesprochen habe, blieb mir der Mund vor Staunen offen stehen. Alle meine Freunde sagten mir, dass Sie bereits vor meiner Abreise gemerkt hätten, dass etwas nicht war wie sonst. Das Feuer in mir wäre weg gewesen. Manche hatten den Ausgang der Expedition bereits vorher gesehen. Das lag nicht daran, dass sie übersinnliche Fähigkeiten haben. Ganz im Gegenteil. Sie kennen mich einfach gut. Sie hatten bereits erkannt, was ich mir nicht eingestehen wollte. Was Dein Unterbewusstsein bereits weiß, dass strahlst Du aus, bevor es in Dein Bewusstsein gedrungen ist. Wie bereits Paul Watzlawick sagte: „man kann nicht nicht kommunizieren“.

Im Nachhinein, in der Reflexion der Expedition, der Analyse meiner Tagebucheinträge zufolge, zeichnete sich bereits vorher ab, was schließlich Wirklichkeit wurde. Mein Fokus war verrückt. Ich folgte einem alten Muster. Vielleicht aus Gewohnheit. Das Reisen erfüllte mich lange Zeit, gab mir Energie, war Lebenszweck. War meine Aufgabe. Mein Können. Meine Stärke. Das ist es jetzt immer noch. Doch ich kam an einen Punkt, an dem ich den vor 12 Jahren eingeschlagenen Weg verlassen musste. Andere Schwerpunkte im Leben, die volle Energie und Aufmerksamkeit brauchen, um auch hier erfolgreich zu sein.

Vor blindem Aktionismus habe ich vieles überhört. Ein verletzter Knöchel, danach ein verletzter Mittelfuß…die Ausrüstung, die nicht kam, die Postkarten, die auf den letzten Drücker kamen, der Flug, der nicht umgebucht werden konnte…Signale, die mir normalerweise hätten sagen müssen, dass irgendwas nicht rund läuft. Normalerweise höre ich auf diese Zeichen. Ziehe Schlüsse. Überprüfe mein Vorhaben. Ändere gegebenenfalls den Kurs. Hier tat ich es nicht. Es hatte einen Grund. Unbewusst.

Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass ich selbst es war, der mich hatte scheitern lassen. Äußeren Faktoren  kann ich zwar die Schuld für ein Scheitern zuschreiben. Letzten Endes, bin es ich selbst, der entscheidet ob ich scheitere oder nicht.

Natürlich gibt es Situationen, die einfach unmöglich zu erreichen sind. Doch bei denen, die erreichbar sein können, liegt es in unserer Hand, ob wir es schaffen oder nicht. Es liegt an uns, welche Energie wir freisetzen können und wollen. Wenn der Wille da ist, die körperlichen Voraussetzungen einigermaßen passen und auch die Rahmenbedingungen passen, liegt es an dem, was wir bereit sind zu geben.

Wir sind die Strecken in weit kürzerer Zeit als der angegebenen gelaufen, haben weniger als die empfohlenen Pausen gemacht, ich hätte längere Akklimatisationszeiten gebraucht…

Vielleicht habe ich die eigentliche Herausforderung nicht erkannt: Langsam machen, Zeit verstreichen lassen, abwarten, entspannen…vielleicht auch einfach genießen,  aushalten…heute weiß ich, dass ich nichts weiter hätte tun können, dass kein Aktionismus hilft, kein Training, kein Laufen. Manche Dinge brauchen Zeit. Gerade in unserer immer schnelllebigeren  Welt, vergessen wir oft zu genießen und uns  Zeit zu nehmen für die wirklich schönen Dinge: unser Leben, unsere Freunde, unsere Familie.

Heute sehe ich es als eine Art Geburt. Ich musste meine Grenzen kennenlernen um zu erkennen, wer ich bin. Ich hatte mich verändert. Wollte mich von dem Gewohnten nicht lösen. Es gab mir Sicherheit. Selbstvertrauen. Identität. Doch das war. Jetzt passt es mit dieser Intensität nicht mehr in mein Leben. Trotzdem ist es ein Teil von mir. Ich habe viel erlebt, viel gesehen. Bin gewachsen, habe mich verändert. Mit diesem Wissen im Gepäck, kann ich nun entspannt den neuen Weg einschlagen.  Mir fehlt nichts, ich habe nichts verpasst. Habe gelebt. Habe erlebt. Und setze einen Haken an diesen Lebensabschnitt. Ich fange nichts völlig neues an. Ganz im Gegenteil. Ich verlagere nur meine Schwerpunkte, da sich meine Ziele geändert haben, nehme mir mehr Zeit. Genieße. Auch Firmen müssen sich, wenn sie überleben wollen dem Markt anpassen. An alten, überholten Strukturen festzuhalten…bedeutet Niederlage. Vielleicht sogar Tod.

Mein Tipp: Sei es im Berufsleben oder privat, am Berg oder in welcher Situation auch immer. Je extremer die Herausforderung ist, desto wichtiger ist es, hinter seinem Ziel zu stehen. Das geht allerdings nur, wenn unser Ziel mit dem, was uns wirklich wichtig ist im Einklang steht. Werde Dir klar, was Du wirklich im Leben willst. Wenn Du Dir wirklich sicher bist, dann setze Dir ein Ziel. Verfolge es. Manchmal scheitert man auf die eine Art und Weise. Tritt einen Schritt heraus. Betrachte die Situation aus der Ferne. Reflektiere. Ändere Deine Taktik. Versuche es wieder. Diesmal mit den Erfahrungen aus dem vorherigen Versuch im Gepäck. Mach das solange, bis Du Erfolg hast.

Vergiss dabei bitte nicht: Nimm Dir auch mal Zeit Dein Leben zu genießen und mit den Menschen zu teilen, die Dir wichtig sind.

Balance your Life – das Max your Limits Spezial

Völlig neu bei uns im Programm:  Balance your Life

Dieses einmalige Seminar ist eine Mischung aus Mentaltraining, Burnout-Prophylaxe und Rückenschule. Das Konzept habe ich aus meiner persönlichen und langjährigen Erfahrung in der Arbeit mit Leistungs- und Profisportlern, sowie Patienten aus den oberen Führungsebenen entwickelt.

Lange Tage im Büro, wenig Zeit für Bewegung. Und wenn Bewegung, dann wahrscheinlich genau die Falsche! Rückenschmerzen kommen nicht von ungefähr. Bewegung ist nicht gleich Bewegung. Erkennen Sie die Muster Ihres Körpers! Gewinnen Sie Ausstrahlung durch Körperhaltung. Steigern Sie Ihre Energie durch die Balance von Körper und Geist.

Mit praktischen Übungen lernen Sie Alltagsbelastungen entgegen zu steuern. Langfristig. Effektiv. Mit nur wenigen Minuten am Tag, können Sie sich ein stundenlanges teilweise kontraproduktives Training sparen. Bei den Übungen bringen Sie Ihren Körper wieder ins Gleichgewicht.

Dieses Konzept habe ich nun mit Inhalten aus dem Mentaltraining kombiniert. Stehen ihre Ziele im Einklang mit ihren Werten? Dann lernen Sie Ihren inneren Schweinehund kennen. Lernen Sie ihn zu verstehen. Sie erfahren, welche Möglichkeiten Sie haben, sich zu motivieren und gehen mit neuer Energie Ihren Zielen entgegen.

Am Ende des Tages werden Sie Ihren Körper und sich selbst von einem anderen Standpunkt aus betrachten

Körper und Geist sind eine Einheit. Lernen Sie diese Einheit als solche zu betrachten. Selbstbewusstsein und Ausstrahlung durch Kongruenz.

  • Funktionelle Rückenschule
  • Burnout Prophylaxe
  • Work – Live – Balance
  • Ausstrahlung durch Körperhaltung
  • Energie durch die Balance von Körper und Geist

Ich freue mich sehr darauf,  das Seminar zum ersten Mal im Mai anbieten zu dürfen. :)

In Kürze wird es weitere Informationen und die aktuellen Termine geben.

…ausserdem werden wir diesen Blog nutzen um Euch immer mal wieder mit Wissen rund um Training, Team, Persönlichkeitsentwicklung, Burnout und Outdoortraining zu versorgen. Unser Ziel ist es eine Wissensdatenbank für unsere Kunden anzulegen. Was haltet Ihr davon?

Max your Limits ist Sponsor für einen guten Zweck

Long Way to Tibet – Zu Fuß von München nach Lhasa.

Morgen habe ich einen Gast. Stephan Meurisch. Er möchte zu Fuß von München nach Lhasa laufen. Das sind 13.000Km. Einsamkeit, Anstrengungen, Entbehrungen. Vor einigen Wochen sprach mich Stephan an, ob ich Ihn bei seinem nicht unterstützen möchte. Wir vereinbarten zwei Termine. Den ersten Termin haben wir morgen. Ich bringe ihm die Grundlagen der Orientierung mit Karte, Kompass, Höhenmesser und GPS bei. Nach einem ausführlichen Theorieteil werden wir uns der Praxis widmen. Hier im Allgäu, bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt. Wir werden durch die verschneiten Wälder streifen und Stephan wird zeigen, was er gelernt hat.

Am kommenden Sonntag widmen wir uns dem Thema Wildnis-Survival. Wir werden verschiedene Notsituationen durchsprechen und in der Praxis entsprechend üben. Notunterkunft bauen, Feuer, Kleidung trocknen, Wasserfilter bauen und vieles mehr. Währen seiner Tour werde ich Stephan als Mental-Coach zur Seite stehen. Gerade in schwierigen Situationen, wenn man nahe dran ist aufzugeben, ist mentale Stärke der entscheidende Faktor. Das weiß ich aus eigener, langjähriger Erfahrung.

Hier ein paar Worte zu Stephans Projekt:

“Stephan’s Antrieb liegt hauptsächlich in seiner Leidenschaft fürs Gehen und Wandern. Er liebt die Natur und das Abenteuer, er mag die Menschen, brennt darauf neue Erfahrungen zu machen und fremde Kulturen näher kennenzulernen.
Und er genießt seine Freiheit in vollen Zügen warum er sich für Menschen engagieren möchte, die diese
Freiheit nicht haben. Stephan möchte deshalb seine Reise für eine gute Sache einsetzen. Für das Projekt Shelter 108.
Gehen für Shelter 108:
Das Projekt hilft schutzbedürftigen Kindern und bedrohten Kulturen. Insbesondere Flüchtlingskindern aus Tibet.
Shelter heißt Obdach und steht für die drei grundlegenden Dinge, aus denen heraus Leben wachsen kann:
Nahrung, Bildung und ein Dach über dem Kopf. Die 108 gilt im Buddhismus als heilige Zahl und symbolisiert die
spirituelle Dimension in unserem Leben. Das Projekt wurde von Maria von Blumencron ins Leben gerufen.”

Wer mehr erfahren möchte kann sich Stephans Präsentation als Pdf nachstehend runterladen.

LWTT-Präsentation

Danke

Es war jetzt einige Zeit still…nach einer sehr intensiven Zeit. Die Monate der Vorbereitung, an denen Ihr mich begleidet habt und schließlich die Expedition selbst, hatten einen großen Teil meiner Zeit und Energie in Anspruch genommen. Parallel dazu lief mein Schritt, in die Vollselbstständigkeit. Eine Entscheidung, die ich nicht bereue. Im Gegenteil. Ich würde es wieder genauso entscheiden.
Nachdem Ihr mit mir gegangen seid, mit mir gefühlt habt, habt Ihr mich kennengelernt. Zum Ende der Expedition, von einer Seite, die ich selbst kaum kannte. In den letzten Tagen sind mir viele Gedanken und Gefühle begegnet. Ein neuer Weg zeichnet sich ab. Diesem Weg folge ich nun.
Ich möchte mich hiermit bei Euch allen ganz herzlich bedanken. Für Eure Anteilnahme, Eure Kommentare, den Weg, den wir gemeinsam gegangen sind. Und vielleicht noch gemeinsam gehen ;)

Abstieg, Abschied und Neubeginn – “der Aconcagua-Effekt”

11.01.2012: Basecamp 4200m Höhe. Abstieg zu Pampa de Lenas 1500Hm Abstieg, 8h30min.
Langsam öffne ich die Augen. Es ist gerade hell geworden. Kurz nach 0700 Uhr. Ich habe wenig Hunger. Koche Kaffee und bereite mir trotzdem mein Müsli zu. Etwas Energie ist wichtig. Ich habe hier oben stark abgenommen. Die Adern sind am Bauch sichtbar. Die Wangen eingefallen. Die Augen müde. Nachdem ich noch nicht beim Arzt war gehe ich nach dem Frühstück hin. Eine lange Schlange anderer Bergsteiger steht vor dem Arztgebäude. Kommerzielle Expeditionen. Ich warte. Endlich bin ich an der Reihe. O2-Sättigung liegt bei 93%, der Puls ist gut, Blutdruck sehr gut, Lungenfunktion ebenfalls. Laut Arzt bin ich top fit! Die Ärztin vermutet, dass ich zu wenig getrunken habe und mehr Zeit zum Akklimatisieren benötige. Mindestens 8!!! Liter Flüssigkeit ab 5000m Höhe.  Wie soll das gehen? Noch mehr Verwirrung steigt in mir auf. Die klare Entscheidung abzusteigen, die ich gerade getroffen habe beginnt zu bröckeln. Soll ich warten? Es in ein paar Tagen noch einmal versuchen? Mein Kopf sagt ja, mein Bauch, meine Intuition sträubt sich vehement dagegen. Ich habe im Laufe der Jahre gelernt auf meine Intuition zu vertrauen. Ich schiebe meine Gedanken zur Seite. Treffe die Entscheidung zu gehen. Ich packe zusammen, gebe meinen Seesack bei Daniel Lopez auf, der den Mulitransport organisiert. 180US$ oneway. Dirks verbleibende Ausrüstung lasse ich ebenfalls bei Daniel Lopez, mit der mündlichen Nachricht, dass ich absteige.

Ich gehe los. Warte. Schaue zurück. Zögere. Wieder beginnen meine Gedanken. An die Vorbereitungen. An die Erwartungen meiner Freunde, Leser, Sponsoren. Mein Bauch sagt „geh weiter, es ist vorbei!“. Ich gehe weiter. Nach 20 Minuten bleibe ich wieder stehen. Schaue zurück und zögere.

Ich setzte mich auf einen Stein, schließe meine Augen und höre in mich hinein. Ich lasse mir Zeit. Gehe tief in mich. Stelle Fragen…und bekomme Antworten. Plötzlich ist alles ganz klar. Ich verstehe. Kann es kaum glauben. Die Erkenntnis fällt mir wie Schuppen von den Augen. Die Zwiespältigkeit meiner Empfindungen. Kopf und Bauch. Denken und Intuition. Linke und rechte Gehirnhälfte. Die plötzlich fehlende Motivation. Körperliche Signale. Ich verstehe alles! Ein Lächeln kommt auf meine Lippen. Eine tiefe Dankbarkeit in meiner Brust. Ich verstehe! Alles!
Durch die in den letzten 12 Jahren aufgebaute Lebenseinstellung, habe ich wieder eine Expedition geplant und in Angriff genommen. Vision, Ziel, Motivation, Tun. Es war normal für mich. Mein Leben. Ich begann mit der Planung, dem Training, der Organisation. Wie immer. Dieser „Aktionismus“, die Gewohnheit,  machte mich in einer Art und Weise blind. Blind für meine inneren Werte. Was mir Jahrelang das Wichtigste im Leben war, Abenteuer und Freiheit, setzte ich auch hier voraus. Es war für mich ja normal, zur Gewohnheit geworden. Meine Identität! Doch ich habe mich in den letzten Jahren, besonders in den letzten Monaten, verändert. – unmerklich, schleichend. Mein Freund Manfred Frank kommt mir in den Sinn. Er hat viel in mir in Bewegung gesetzt. Durch das Tun habe ich mir Scheuklappen aufgesetzt. Nicht nach rechts und links geschaut, durch die Gewohnheit nichts in Frage gestellt. Je näher ich dem Ziel, dem Berg kam, desto langsamer wurde ich. – unmerklich. Erst in meiner jetzigen Reflektion erkennbar. Die Zeichen waren da. Ich habe sie nicht wahrgenommen. Schließlich war es nicht mehr zu ignorieren. Extreme Situationen bedingen extremen Einsatz. Und der extreme Einsatz wiederum eine außergewöhnlich starke, bedingungslose Motivation. Diese wiederum lässt sich nur aufbringen, wenn man voll hinter seiner Sache steht. Und wann stehe ich voll hinter einer Sache? Nur dann, wenn meine Werte, meine innere, ganz tiefe Überzeugung, dieser Sache entsprechen. Werte sind unsere eigentlichen, tiefsten, stärksten Motivatoren. Unser Antrieb. Unbewusst und doch extrem stark. Elementar für all unser Handeln. Wie unglaublich wichtig es ist, dass wir uns unserer Werte wirklich bewusst sind, wird mir erst jetzt in seiner ganzen Tragweite klar.

Ich fasse den Entschluss, ein Seminar “Expedition-Persönlichkeit – Der Aconcagua-Effekt” anzubieten, wo genau das der Schwerpunkt ist.

Ich setzte meine „alten“ Werte einfach als gegeben voraus. Handelte danach. Stellte nichts in Frage. Erst durch die Zeit, die ich plötzlich im Basislager hatte, schlich sich etwas in mir ein. Eine Erkenntnis, die ich erst nicht wahrnehmen wollte. Die ausbleibende Motivation. Die Vorfreude auf meine Arbeit Zuhause, auf liebe Menschen Zuhause. Unbekannt. Fremd. Neu und schön. Ich nehme Abschied.

Meine Werte haben sich im Laufe der Zeit geändert. Ohne dieses extreme Erlebnis, wäre ich meine alten Werten wahrscheinlich noch lange treu geblieben, hätte mein Leben so weitergeführt wie gewohnt. Wäre irgendwann unzufrieden geworden, oder schlimmeres. Durch diese Erkenntnis, kann ich nun bewusst verstehen und annehmen. Ich habe Freiheit und Abenteuer nun gegen Liebe, Familie und Job getauscht.
Ich nenne diesen Prozess der Erkenntnis den „Aconcagua-Effekt“.
Ich setze meinen Rucksack auf und gehe los. Ich drehe mich nicht mehr um. So gehe ich Kilometer um Kilometer. Stunde um Stunde. Meinem neun Leben entgegen. Ich nehme Abschied von einem Lebensabschnitt, der mich hat wachsen lassen. Einem Lebensabschnitt, der mir die Welt gezeigt hat, viele Kulturen, Lebenseinstellungen, Wilde teile der Welt, wilde Teile in mir. Freude und auch Leid. Lachen und Weinen. Der mir Freunde in aller Welt geschenkt hat. Der mir den Grund für den nächsten Lebensabschnitt geebnet hat. Ich nehme Abschied und gehe etwas Neuem entgegen. Einer spannenden Zukunft. Ich fühle mich mit jedem Schritt befreiter. Motivierter. Stärker. Freier. Die Expedition Persönlichkeit hat einen anderen Ausgang genommen als erwartet.

Blasen sammeln sich an meinen Füßen. An beiden Fußsohlen. An den Fersen und an den Seiten. Ich gehe weiter. Blutunterlaufen. Schmerzen. Bei jedem Schritt. Ich gehe weiter. Brauche keine Pause. Die Füße schmerzen stärker. Ich spreche mein Mantra. Ich habe es nun meinen neuen Werten entsprechend, leicht verändert. Angepasst. Es ist schon spät. Bei Pampa de Lenas mache ich Pause. Gute 30 Km, 9h und über 1500Hm Abstieg liegen hinter mit. Durch die Blasen an den Füßen bin ich nur langsam vorangekommen. Morgen noch weitere 14 Kilometer, dann bin ich wieder bin der Zivilisation. In meinem neuen Leben.  
Ich erinnere mich an einen Ausdruck, der mir mehr als passend erscheint: „per aspera ad astra“, was soviel bedeutet wie: „auf steinigen Wegen zu den Sternen“.

Die Expedition wurde eine Expedition in meine eigene Persönlichkeit. Tiefer, bewegender, ehrlicher, als ich es mir hätte jemals träumen lassen.

Zum Ende dieser Zeilen möchte ich meinen ganz besonderen Dank an ein paar ganz besondere Menschen zum Ausdruck bringen:
Meine Mutter, die mich in all meinem Tun immer aus ganzen Kräften unterstützt hat.
Meinen Großeltern, die mir auch in schweren Zeiten einen Ort der Sicherheit und Geborgenheit gegeben haben.
Meinen „Zieheltern“ Sissi und Werner, für Ihre Wärme, ihr offenes Ohr und ihr Vorbild einer glücklichen Ehe.
Meinem Freund und Trainerkollegen Thomas Pelzl, der mir die Chance und das Vertrauen gegeben hat, mich im Trainingsbereich zu entwickeln. Und sich um die Blogeinträge während der Expedition gekümmert hat.
Meinem Freund Manfred Frank, der wohl den entscheidenden Stein ins Rollen gebracht hat.
Meinem Freund Juan, der mich so herzlich in Mendoza in seine Familie aufgenommen hat.
Meinem Expeditions-Partner Dirk, der mir mit seiner stets guten Laune und Zuversicht viel gegeben hat. Ich kann mir keinen besseren Partner vorstellen.
Alexander Gleisberg, der mir die Welt des NLP auf eine wunderbare Weise nähergebracht hat und damit einen Grundstein gelegt hat.
An all die anderen Freund, Unterstützer, Sponsoren und Menschen, die mich auf meinem Weg nach Argentinien begleitet haben und an mich gedacht haben.

Unter “Reiseberichte-Urlaubsberichte” finden Sie diesen Bericht ebenfalls.

Austieg zu Camp 2…Scheitern…

10.01.2012, Aufstieg vom Basecamp 4200m Höhe auf Camp 2 5800m Höhe.
Mir geht es gut. Keine Kopfschmerzen in der Nacht. Durchschlafen. Kräfte sammeln. Nach dem Frühstück aus Kaffee, Müsli, Milch- und Eiweißpulver packe ich meinen Schlafsack zusammen, rolle meine Neoair Matte von Thermarest zusammen, schlüpfe in die Innenschuhe meiner Bergstiefel, schließlich in die Überschuhe, schnüre sie fest und gehe los. Ich bin gut drauf. Gehe in einem langsamen, der Höhe angepasstes Tempo. Nach zwei Stunden stehe ich vor Dirk. Ich bin ausgepowert. Ganz plötzlich. Atme schwer. Friere. Habe Durst. Etwas Warmes zu trinken wäre jetzt schön. Der Benzinkocher ist leer. Der Gaskocher in Camp 2. Kurz hinlegen, rasten. Augen schließen. Erholen. Am liebsten im Schutz des Zeltes. Doch Dirk hat es bereits abgebaut, um schneller starten zu können. Ich kann ihn verstehen. Immerhin hat er einen ganzen Tag auf mich gewartet. Ich sitze also auf einem Stein, lehne an meinem schweren Rucksack. Der Wind bläst stärker als gestern. Dirk hat über 80Km/h gemessen. Durch den Windchill ist es kalt. Trotz Daunenjacke friere ich. Mein Puls rast. Genau wie meine Atmung. Obwohl ich bereits 45 Minuten hier raste. Ich fühle mich schwach. Bin mir unsicher, ob ich den weiteren Aufstieg schaffe. Dirk motiviert mich. Er spürt meine Erschöpfung. Er scheint ebenso betroffen zu sein wie ich. Ein guter, mitfühlender Partner. Ich mag Ihn sehr. Ich spüre seine Power und Lust aufzusteigen. „Noch etwas Zeit, Dirk, dann gehen wir.“ Sage ich halbherzig. Tief im Inneren spüre, ja weiß ich, dass es für mich besser wäre, noch einen Tag hier zu rasten. Doch Dirks ansteckende Freude für den Aufstieg und die Tatsache, dass unser Kocher nicht funktioniert, veranlassen mich dazu, meine Empfindungen zurückzudrängen. Ich handle wider meiner Intuition. Wir gehen los. Noch immer atme ich schnell. Ich hatte 1h30min. Pause gemacht. Starker Wind schlägt mir ins Gesicht. Aufstieg in eisige Höhen. Gegen den Sturm. Langsamen Schrittes gehe ich los. Dirk kommt etwas später nach. Nach einer Stunde hat er mich eingeholt. Er musste nochmal zurück, da der Sturm ihm einen Handschuh weggerissen hatte. Ich atme schnell. Muss öfter stehen bleiben. In den Standpausen finde ich keine Erholung. Ich gehe weiter. Der Wind zerrt an mir, stößt mich herum. Hinter einem Felsen vermute ich Windschutz. Nein. Die Schneeverwehungen am Boden hätten es mir verraten müssen. Hier gibt es keinen Schutz. Mir ist kalt. Sehr sogar. Ich bitte Dirk meine Handschuhe zu halten. Der Wind ist unerbittlich. Zerren und Reißen. Ich packe meine GoreTex Überhosen aus und ziehe sie umständlich über. Geschafft. Ich atme schwer. Die Aktion hat mich unglaublich Energie gekostet. Handschuhe an. Weiter. Dirk steigt voraus. 5350m Höhe. Ich fühle mich schwach. Ich fotografiere nicht. Ganz im Gegensatz zu sonst.  Konzentriere mich auf mein Mantra. Keine Chance. Keine Energie dazu. Was ist hier los? Gedanken kommen…sind wieder weg. Zu schwach. Ich gehe weiter. Dirk trägt heute das Zelt den Berg hoch. Das wäre eigentlich meine Aufgabe heute gewesen. Er hat es kommentarlos genommen. Dafür danke ich ihm insgeheim jetzt gerade. Alles zusätzliche Gewicht ist zu viel. Taube Finger. Ich ziehe die dicken Expeditionshandschuhe von Marmot drüber. Tut das gut. Langsam kommt wieder Leben in meine Finger. Schließlich Pause auf 5555m Höhe. Ich setze mich. Öffne meinen Rucksack, hole die Trinkflasche heraus. Das Wasser ist eiskalt. Bei dieser Aktion fällt mein Trinkbecher aus dem Rucksack und wird von dem Sturm den Hang runtergeblasen. Dirk und ich sehen ihm ungläubig nach. „Lass ihn liegen…ich schaffe es nicht ihn zu holen.“ Sage ich zu Dirk. Ich atme schwer. Keine Erholung. Müdigkeit. Schwäche. Appetitlosigkeit. Leichter Druck im Kopf…“ich hole den. Woraus sollst du denn heute Abend trinken?“ Dirk geht los. Ich vermute, dass er mir noch etwas Pause verschaffen wollte. Ich sollte mein Gesicht wahren dürfen. Er wusste, dass ich auch aus dem Becher an meiner Thermoskanne hätte trinken können. Was ein Mensch. „Danke“, denke ich. Ich atme immer noch schwer. Keine Erholung. Selbst nach 20 Minuten Rast. Dirk kommt zurück. Ruhig atmend. Erholt. Fit. Meine Gedanken rasen. Was ist mit mir los? Schaffe ich es hoch? Was ist wenn ich oben bin? Komme ich wieder runter? Ich spreche es offen an. Dirk schaut besorgt. Mir fehlt die Erfahrung. Ich habe keine Referenzerlebnisse um die Situation objektiv einschätzen zu können. Vielleicht ist mein Zustand normal und Dirk ist eine Ausnahme? Ich frage ihn nach seiner Meinung. Hier hat Dirk die meiste Erfahrung von uns beiden. Er war bereits vor 3 Jahren hier oben. Die Antwort ist ernüchternd und befreiend zugleich. „Nein, kurz unter dem Gipfel wäre das ok, aber hier sollte das nicht so sein!“ Ich denke an meine Ausrüstung, die bereits im oberen Lager auf mich wartet. Spreche auch da mit Dirk drüber. „Ich gehe noch bis hoch, hole meine Eisgeräte und weitere Kletterausrüstung. Danach steige ich sofort ab.“ Sage ich zu Dirk. „Wenn gehe gleich zurück! Ich versuche Deine Sachen mit runter zu bringen!“  Ich denke kurz darüber nach. Willige dankbar ein. Gedanken blitzen in meinem Kopf auf. Nur kurze Sequenzen. Du bist schwach. Du gibst auf. Ist das wirklich die richtige Entscheidung? Gewissenskonflikt. Auch weil schwerer Sturm herrscht. Im Camp 2 wird er noch stärker sein. Windfahnen über uns. Schnee wirbelt durch die dünne Luft. Dirk wird das Zelt alleine im Sturm aufbauen müssen. Schafft er das? Vom patagonischen Inlandeis weiß ich, wie heikel das ist. Vor drei Jahre war ich dort auf Expedition bei sehr extremen Wetterbedingungen. Weihnachten verbrachte ich im Zelt. Gefangen vom Sturm. Wenn er das Zelt nicht an seinem Körper sichert, kann es wegfliegen. Das kann lebensbedrohlich sein. Zum Glück haben wir noch zwei Freunde oben. Die werden helfen.
Wir verabschieden uns. Ich steige ab. Blicke nicht zurück. Ich habe versagt, bin gescheitert. Die Expedition nimmt ein früheres Ende als erwartet… Das ganze Training. Der Schweiß. Die Überwindungen. Die 60.000 Trainingshöhenmeter. Bei Wind und Wetter. Meine finanziellen  Investitionen. Die Erwartungen der Sponsoren. Die Erwartungen meiner Freunde und Familie. Ich bin gescheitert. Zu schwach.
Innerlich weiß ich, dass die Expedition für mich vorüber ist. Ich bin gescheitert!
Je weiter ich mit wackligen Knien und Übelkeit absteige, desto  mehr Erleichterung spüre ich. Sind meine Empfindungen richtig? Sind es die Empfindungen eines Feiglings? Ich habe Enttäuscht. Mich. Meine Freunde. Alle.
Im Camp 1 hinterlasse ich bei dem englischen Bergsteiger, der mir vorhin im Camp 1 bereits Diamox, – ein Medikament gegen Höhenkrankheit, angeboten hat, als er meinen Zustand sah und mich besorgt ansah, als er erfuhr, dass wir weiter hoch wollten, eine Nachricht für Dirk. Ich steige weiter ab. Will nicht im Camp 1 bleiben. Oben habe ich Dirk bereits mitgeteilt, dass ich wahrscheinlich direkt nach Mendoza gehe. „Wenn ich jetzt absteige, komme ich nicht mehr hier hoch. Dann ist es für mich vorbei. Ich werde wahrscheinlich direkt nach Mendoza gehen. Viel Glück mein Freund und pass auf Dich auf. Wir sehen uns in der großen Stadt!“ Der Engländer willigt ein meine Nachricht auszurichten. Er schaut mich besorgt an. Fragt nach den Symptomen. Nach einer Weile sagt er leise „smart decision!“
Ich halte unterwegs oft an. Muss atmen. Muss rasten. Erfahre keine Erholung. So schwer ist mir noch nie ein Abstieg gefallen. Meine Beine scheinen kraftlos. Meine Gedanken kreisen. Ich habe versagt. Ich fühle mich erleichtert. Verstehe meine Gefühle nicht. Zwiespalt in meinem Inneren.
Kurz vor dem Basislager treffe ich auf zwei Engländer. Sie kommen vom Camp 2. Nach 6 Tagen im Sturm. Ebenfalls aufgegeben. Wir reden kurz. Ich bekomme die Antwort „smart decision!“
Am Zelt angekommen habe ich das Gefühl mich übergeben zu müssen. Ich behalte alles drin. Werfe den Rucksack kraftlos von den Schultern. Trinke. Öffne das Zelt. Schlafe. Ich wache auf. Kein Appetit. Kein Hunger. Kein Durst. Ich fühle mich müde.  Erschöpft. Verloren. Elend.

Morgen ist alles vorbei. Ich steige ab. Der erste klare Gedanke kommt langsam wieder in meinen Kopf. Fragen gesellen sich dazu. Warum? Wo ist die Motivation? Die Motivation zu warten, ein paar Tage. Dann ein zweiter Versuch. Stärke beweisen. Kämpfen. Den Gipfel erreichen.
Mir schießt es in den Kopf: „unwichtig! Es ist einfach unwichtig! Geh heim! Vergiss den Gipfel!“
Ich schlafe wieder ein. Wirre Träume und unruhiger Schlaf in dieser Nacht…

O2: 88%
Hf: 87 S/M im Basecamp kurz vor dem Einschlafen

Abstieg ins Basecamp…mit weichen Knieen im Sturm über Eis und Geröll

09.01.2012: Abstieg von Camp 1 ins Basislager, 4200m Höhe, 1h20min, 773Hm Abstieg.
Nachdem es hell geworden ist und Dirk aufgewacht ist, teile ich ihm meine Entscheidung und meine Gründe dafür mit für einen Tag abzusteigen. Eigentlich wollten wir heute umziehen. Auf 5800m Höhe, ins Camp 2. Dirk versteht mich. Er wartet hier oben einen Tag auf mich. Morgen in der Früh werde ich wieder aufsteigen und dann werden wir nach einer Pause weiter ins Camp 2 gehen.
Ohne Frühstück, das besteht täglich aus Kaffee, Müsli mit Milch- und Eiweißpulver (545Kcal.), steige ich ab. Ich habe keinen Hunger, geschweige denn Appetit. Das ist ungewöhnlich für mich. Mit weichen Knien gehe ich los. Die Sturmböen machen meinen Gang auf dem Geröll noch unsicherer. Ich habe ein flaues Gefühl im Magen. Muss ich mich übergeben?
Nach einer Stunde und zwanzig Minuten komme ich im Basecamp an. Ich habe länger gebraucht als sonst. Ich fühle mich elend. Unten angekommen lege ich mich ins Zelt. Es hat dem Sturm standgehalten. Sicher war ich mir nicht. Als die Sonne stärker wird, wird es unerträglich warm im Zelt. Ich muss raus. Dort weht starker Wind. Die Kopfschmerzen verschwinden langsam. Soll ich zum Arzt gehen? Später, zu viel Betrieb gerade. Ich koche etwas Wasser und esse mein Frühstück. Diesmal erst gegen Mittag. Langsam kommt der Appetit wieder. Ja, ich habe Hunger. Trinken fällt mir heute schwer. Ich gehe zu Daniel Lopez Expeditions ins Basislagerzelt, setze mich auf einen Stuhl. Geschützt vor Sonne und Wind lese ich in Manfreds Buch. Bald habe ich es durch. Wieder kommen mir Gedanken in den Kopf. Zweifel. Ängste? Wofür mache ich das? Was sind meine Beweggründe auf den Gipfel zu gehen? Ich kann die Fragen aktuell nicht beantworten. Ich weiß, was meine Bewegründe waren. Aber was sie gerade sind, kann ich nicht sagen. Meine Stimmung ist am Tiefpunkt angelangt. Ich kann mich nicht motivieren. Weshalb gelingt es mir nicht? Ich kenne genug Techniken aus dem NLP. Was ist mit mir los? Bin ich ein Versager? Ein Feigling? Nein, bestimmt nicht. Ich habe genug Referenzerlebnisse um vom Gegenteil überzeugt zu sein. Also, was ist mit mir los? Was stimmt nicht? Ich denke an meinen Partner Dirk. Ein Lächeln erscheint auf meinen Lippen. Dirk ist motiviert, gut drauf und strotzt vor Energie. Ich sollte ihn fragen, was ihn antreibt. Ihm Energie gibt. Was kann ich von ihm lernen, das mir in meiner Lage hilft. Schließlich geht es in der „Expedition Persönlichkeit“ um das Erreichen von Zielen und das Aufbringen eben der Motivation, die nötig ist, um diese Ziele zu erreichen. Und ich kann mich selbst nicht motivieren. Meine Gedanken drehen sich. Ich stelle Fragen und bekomme keine passende Antwort.

Die Wolken werden dichter, die Sonnenstrahlen verlieren an Kraft. In meinem Zelt wird es kühler. Ich lege mich nochmal hin. Versuche zu schlafen. Gedanken kreisen in meinem Kopf…Schluss jetzt! Ich schlafe ein…Zwei Stunden später wache ich wieder auf. Ich gehe zu Daniel Lopez, besorge mir einen Kugelschreiber und arbeite ein Teamtraining, Schwerpunkt Kommunikation aus. Das tut mir gut. Ich bin motiviert, die Arbeit macht mir Spaß. Stunden später bin ich fertig. Müde und befriedigt. Ich habe Hunger. Zurück am Zelt werfe ich den Kocher an. Der Koch ist wieder Lyofood. Diesmal gibt es Schweinelende in Dillsauce. Lyo, Du hast wieder einmal meine Erwartungen übertroffen. Zum Nachtisch gibt es heute Milchreich in Vanillepudding. Warmes Wasser als Teeersatz, da unsere Teevorräte in den Hochlagern sind.
Nach dem essen und getaner Arbeit schlafe ich glücklich und zufrieden ein. Morgen geht es wieder hoch auf den Berg…das Wetter soll besser werden. Der 11. Und 12. Januar könnten die idealen Gipfeltage werden. Sturm ist nur noch für morgen angesagt.  Mit Bonos Stimme im Ohr schlafe ich ein. Ich schlafe die Nacht durch. Tut das gut…

O2: 85%
Hf: 78 S/M

Tag 9: Aufstieg ins Hochlager 2 auf 5800 m Höhe…wieder Kopfschmerzen

08.01.2012: Materialtransport zu Camp 2, 5800m Höhe, 3h40min, 872Hm.
Nach dem Aufstehen stellen wir fest, dass das Wasser fast bis zum Zelteingang gekommen ist. Noch ist es kaltes, gefrorenes Eis. Sobald die Sonne ihre Kraft wieder entfaltet wird aus dem Eis wieder Wasser. Und das wird unweigerlich in unser Zelt fließen. Also lösen wir die Heringe aus dem Boden und nehmen die Sturmabspannungen von den Felsblöcken. Wir lassen alles andere im Zelt. Lediglich unsere Rucksäcke nehmen wir raus. Dirk nimmt das Zelt hinten, ich packe vorne an. Gemeinsam tragen wir es über einen kleinen Geröllhang zu einem neuen Platz. Dirk hat ihn entdeckt. Perfekt gelegen. Direkt hinter einem riesigen Felsbrocken. Der dient uns als mächtiger Windschutz und leistet bei den Sturmböen gute und willkommene Arbeit.

Letzte Nacht sind die Böen über das Zelt gefegt, als ob ein Güterzug Kurs auf unsere Behausung genommen hätte. Durch die Kopfschmerzen habe ich nur wenig Schlaf gefunden. Das laute Zerren und Reißen an den Zeltwänden hat sein Übriges dazu getan…
Wir packen unsere Ausrüstung für das Hochlager zusammen. Essen für 4 Tage, Kletterausrüstung, unseren Gaskocher mit drei Gaskartuschen. Es geht los. Noch langsamer als sonst setzten wir uns in Bewegung. Die Bewegung tut mir gut. Die Kopfschmerzen verschwinden langsam. Trotz unseres langsamen Ganges überholen wir wieder jeden, der vor uns geht. Das lange Training, die mehr als 60.000Hm im letzten Jahr scheinen sich bezahlt zu machen. Der Wind wird stärker. Kein Windschutz um eine Pause zu machen. Wir kauern uns hinter eine Kuppe am Hang auf 5400 m Höhe.

Dort bläst es zumindest etwas weniger. Unser Mittagessen besteht aus heißem Tee und einem Müsliriegel. Auf den letzten 100 Hm unter dem Camp 2 treffen wir auf zwei weitere Bergsteiger, die gerade am Abstieg sind und hinter einem Felsen Schutz vor dem Wind suchen. „Noch ca. 45 Minuten, dann seid Ihr da! Aber Vorsicht, nach der Kuppe dort hinten erwartet Euch ein Inferno aus Wind und Schnee!“ Na super, sehr aufbauend. Wir gehen weiter.

Der Sturm schlägt hinter der Kuppe zu wie die Faust eines trainierten Boxers…aus Grönland. In der Ferne erkenne ich Sebi. Kurzes „Hallo“, kurze Umarmung und dann muss ich in den Windschutz ihres Zeltes.

Simone hat im Zelt Schutz vor dem Wind gefunden. Ich wärme meine Finger, setze meine Sturmbrille auf, ziehe dickere Handschuhe an und gehe wieder nach draußen. Dirk ist bereit dabei den Lagerplatz von Schnee zu befreien. Die Kälte macht ihm nichts aus. Er ist wirklich ein knallharter Kerl. Nachdem wir unsere Ausrüstung deponiert haben, beschweren wir sie mit schweren Steinen. Sicher ist sicher. Der Wind kann hier oben zu einem regelrechten Orkan anwachsen. Kein Ort um lange hier zu verweilen. Kein Ort, der für Menschen auf Dauer gemacht ist. Hier oben kann man Leiden lernen.  Aufgrund der Kälte, die durch den starken Wind noch verstärkt wird, machen wir uns auch schon bald auf den Rückweg.

In nicht mal einer Stunde sind wir wieder in Camp 1. Schnelles Absteigen im Schnee und Geröll. Die Gewissheit, dass man im Notfall recht schnell die Höhenmeter nach unten hinter sich lassen kann, ist eine Sicherheit. Ich schaue mir immer wieder das Gelände an, spiele im Gedanken, schon im Vorfeld der Expedition sämtliche Situationen durch. Notfallsituationen insbesondere. Damit mache ich mir keine Angst, ganz im Gegenteil. Das ist mein mentales Training für Sicherheit auf der Expedition. Wenn ich im Vorfeld bereits gedanklich schwierige Situationen durchgespielt habe, sind diese nichts absolut unbekanntes mehr, falls wirklich etwas passiert. Ich habe sozusagen bereits „Erfahrungen“ gesammelt. Wenn ich Erfahrung mit etwas habe, also Referenzerlebnisse habe, kann ich eine Situation besser beurteilen und bessere Entscheidungen treffen. Somit erweitere ich mental meine „Komfortzone“.
Die Komfortzone beschreibt den Bereich, in dem ich mir in meinen Handlungen und meinem Verhalten sicher bin. Ich weiß, welche Ergebnisse oder Reaktionen ich darauf zu erwarten habe. Ich kann die Situation also einschätzen, weil ich im Vorfeld auf die ein oder andere Art und Weise bereits gleiche oder ähnliche Erfahrungen gesammelt habe. Ich nenne diese Erfahrungen „Referenzerlebnisse“.  Diese kann ich zum Vergleich, also für meine „Bewertung“ der Situation heranziehen. Alles außerhalb meiner Komfortzone, ist für mich Neuland und schwer einzuschätzen, da mir eben diese Referenzerlebnisse fehlen. Dementsprechend unwohl fühle ich mich, wenn ich daran denke, aus meiner Komfortzone herauszugehen. Der Grund dafür ist oftmals Angst. Angst vor dem Unbekannten. Unbekannt und somit nicht einschätzbar. Wir befürchten, dass sich das Ergebnis unseres Einflusses entzieht. Angst liegt meist in der Zukunft. Die Vorstellung von dem unbekannten Ergebnis unserer  neuen Handlungen  sorgt für diese Angst. Mit Angst meine ich auch einfach nur ein ungutes Gefühl, vielleicht ein flaues Gefühl in der Magengegend oder ähnliches. Sobald wir etwas schon einmal gemacht haben, wir also Erfahrung damit gesammelt haben, ist es nichts Unbekanntes mehr und rückt somit in unsere Komfortzone oder zumindest nahe dran. Je öfter wir etwas tun, desto vertrauter ist uns die Handlung und desto einschätzbarer das Ergebnis. Umso  weiter rückt diese Handlung in unsere Komfortzone. Die Angst verringert sich immer mehr und verschwindet früher oder später. Die Komfortzone ist wieder etwas gewachsen. Das ist auch der Grundgedanke meiner Trainingsfirma „Max your Limits“ – Erweitern der Komfortzone. Dabei bediene ich mich gerne wirklich effektiven Outdoorübungen.
Die Nase ist trotz Sonnencreme Faktor 60 verbrannt. Ebenso meine Lippen. Der Wind und die Kälte haben ihren Teil ebenso dazu beigetragen. Mein rechtes Nasenloch blutet etwas. Simone und Sebi haben sich dazu entschlossen die Falsche Polenroute zu gehen. Wir hatten uns das gestern bereits gedacht, als wir gesehen hatten, dass die Beiden ihr Seil und einen Teil der Kletterausrüstung im Camp 1 gelassen hatten. Wir haben alles hochgebracht. Noch wollen wir den Polengletscher nicht aufgeben. Es liegt viel Schnee in den Vertiefungen. Bisher haben die wenigen Bergsteiger, die die Route versucht haben alle aufgeben müssen. Wegen dem Wetter, wegen dem Schnee. Wenn wir Glück haben, bläst der Sturm viel Schnee weg und die Sonne sorgt dafür, dass sich der Rest setzt und verfestigt. Ansonsten haben auch wir keine Chance 1000Hm bei 30-40° in über 6000m Höhe zu machen.  Wir werden sehen.

Der Sturm wächst an. Selbst die Sonne kann nicht mehr genug Wärme spenden um die kalte Luft zu kompensieren. Mir ist kalt. Der Kopf schmerzt wieder. Der Puls rast. Ich atme als hätte ich einen Dauerlauf am Berg hinter mich gebracht. Nach ein paar Stunden geht es mir wieder besser. Trinken. Viel trinken. Ich habe wenig Hunger. Trotzdem. Ich esse etwas von meinem Müsliriegel und trinke Mate mit Dirk. Dirk geht es gut. Seine O2 Sättigung ist bei 94%. Meine bei 79%. Das gibt mir zu denken. Ich freue mich, dass es Dirk gut geht. Der Mann ist wirklich top fit 
Der Wind nimmt zu. Ich messe 70Km/h! Wir legen uns noch vor dem Dunkelwerden in das Zelt. Draußen wird es ohne die Sonne zu kalt. Wir lesen. Ich höre schließlich Musik mit meinem MP3-Player während Dirk einschläft. Wieder Kopfschmerzen…hoffentlich schlafe ich bald ein. Der Mund ist extrem trocken. Das Atmen ist unangenehm. Auch die Schleimhäute meiner Nase sind sehr trocken. Die Nase brennt, ebenso die Lippen. Hoffentlich schlafe ich bald ein…der Sturm nimmt an Stärke zu. Wieder raus aus dem Schlafsack, raus aus dem Zelt, in den Sturm, Wasserlassen…hoffentlich schlafe ich bald ein…die Kopfschmerzen werden stärker…langsam begreife ich, dass es wirklich die Höhe ist. Keine Nackenverspannungen. Ich denke darüber nach abzusteigen. Nein, erst wenn es hell ist. Nicht bei dem Sturm. Nicht bei dieser Dunkelheit. Nicht in diesem Gelände.
Endlich…es wird hell! Ich habe kein Auge zu getan in dieser Nacht. Noch weniger Schlaf als in der Nacht davor…was ist mit mir los?

O2: 79%
Hf: 110 S/M in Ruhe

Tag 8 – Umzug ins erste Hochlager auf 5000m

07.01.2012: Umzug nach Camp 1, 5000m Höhe, 2h32min Aufstieg, 773Hm.
Heute ist der große Tag. Endlich geht es los. Das Warten hat ein Ende. Endlich wieder Bewegung, endlich Fortschritt. Endlich dem Ziel näher. Der Schnee taut langsam weg. Starker Wind mit Windgeschwindigkeiten bis 100Km/h sind angesagt für die nächsten Tage. Ich spanne das Zelt nochmal ab, sichere es zusätzlich mit Steinen am Boden, beschwere die Heringe. Solange jemand im Zelt liegt ist es kein Problem dem Wind zu trotzen. In Norwegen auf einer Solo-Wintertour geriet ich in einen schweren Schneesturm. Der Wind traf das Zelt von der Seite mit heftigen Böen, nachdem er gedreht hatte. Ich musste mich nachts mit dem Rücken gegen die Zeltwand drücken, damit das Zelt dem Sturm standhielt. Diesmal bleibt das Zelt ohne meine Hilfe zurück. Die Abspannungen müssen halten. Das Zelt ist in der Hauptwindrichtung aufgebaut, in Verlängerung des Gletschers, der von Camp 1 kommt. Durch die Geländeform ist es sehr wahrscheinlich, dass der wind zum Großteil genau aus dieser Richtung kommt. Wenn sich das so bewahrheitet, ist das Zelt sehr windschnittig und entsprechend stabil. Dreht der Wind, drückt also von der Seite gegen das Zelt, kann das Gestänge meines Tunnels brechen. Die Geodäten sind da stabiler. Zu allen Seiten. Wir beschweren das Zelt von innen mit unseren beiden Seesäcken und der verbleibenden Ausrüstung, die wir nicht mit in die Hochlager nehmen. Das sind unter anderem unsere Turnschuhe, weiteres Gas und Benzin, weiteres Essen, Ersatz Akkus für die Kamera und den Foto, ein Solarladegerät und ein paar Klamotten.
Ein letzter prüfender Blick auf die Abspannungen und los geht es. Trotz des Materials, das wir bereits in Camp 1 haben, tragen wir weitere 20 Kg nach oben.

Diesmal fällt uns der Weg schon etwas leichter. Um mich abzulenken und die Anstrengungen wenigstens etwas zu vergessen, gehe ich im Gedanken immer und immer wieder ein Mantra durch. Dieses Mantra begleitet mich schon seit einem Jahr…mehrmals täglich ist es in meinen Gedanken. Ich nutze die Zeit der Auf- und Abstiege um meine Zukunftsvision zu erschaffen. Mit jedem Mantra, mit jeder Wiederholung wird sie stärker, präsenter, wirklicher.
Die Wirkung von Mantras ist beeindruckend. Ich arbeite seit einigen Jahren damit. Angefangen habe ich damit in Schwedisch Lappland. Auf einer weiteren Winter-Solotour ging einiges schief. Die Skibindung brach, so dass ich mit Schneeschuhen weiter musste, das Zeltgestänge brach im Sturm und bohrte sich durch die Außenhaut des Zeltes, der Reißverschluss meiner GoreTex Jacke ging kaputt und das Zuggestänge meiner Pulka brach. Daneben bekam ich immer stärkere Schmerzen im Knie. Eine Überlastungserscheinung. Aufgeben wollte ich nicht. Also improvisierte ich so gut es mir möglich war, führte notdürftige Reparaturen durch und ging weiter. Um mir selbst Mut zuzureden und mich selbst zu motivieren, murmelte ich mit immer und immer wieder die gleichen Worte vor. Ich spürte praktisch gar nicht, wie ich immer und immer weiter kam. Plötzlich wurde mir bewusst was ich da tat. Indem ich immer und immer wieder diese Sätze sagte und dachte, war kein Platz für Zweifel. Unser Gehirn denkt Mono. Niemals Stereo. Positive Gedanken lassen keinen Platz für negative. Umgekehrt ist das allerdings leider genauso! Überlege Dir also sehr gut, mit welchen Gedanken du Dein Gehirn fütterst! Uns so wurde mir bewusst, was die alten Religionen schon vor Urzeiten entdeckt hatten. Ich verfeinerte meine „Leitsätze“ und stimmte sie immer feiner auf meine Ziele ab. Seit Jahren agiere ich so. Mit Erfolg. Wenn ich habe, was ich will, ändere ich den Inhalt meines Mantras und passe ihn meinen nächsten Zielen an. Je öfter ich es sage oder denke, desto stärker wird der Glaube daran. Und schließlich bestimmt unser Glaube unser Denken, das Denken unser Handeln und das Handeln bestimmt über die Ergebnisse, die wir erzielen. Die Ergebnisse wiederum bestimmen unsren Glauben. Das ist ein Kreislauf, eine sogenannte selbsterfüllende Prophezeiung. Negative Gedanken führen zu negativen Ergebnissen. Positive Gedanken führen hingegen zu positiven Ergebnissen. Mach Dir also klar, was Du wirklich willst und beginne Dein eigenes Mantra zu entwickeln. Das kann aus nur einem, bis vielen Sätzen bestehen. Meines ist der Einfachheit halber, nur ein Satz. In der Höhe von Vorteil wenn die Luft dünner wird und die Anstrengung mehr.
Nach 773Hm und 2h32min. sind wir da. Sebi und Simone sind bereits weiter. Ihr Zelt ist abgebaut, etwas Ausrüstung für den Abstieg zurückgelassen.

Ein kleines Rinnsal aus Schmelzwasser läuft an unserem Zelteingang vorbei. Dirk reagiert sofort ohne eine Pause von dem Anstieg zu nehmen, greift sich ein Eisgerät und beginnt einen Graben zu ziehen, in dem das Wasser abfließen kann ohne in unser Zelt zu laufen. Nur sehr langsam beruhigen sich mein Atem und mein Puls. Ungefähr 3 Stunden nach unserer Ankunft im Basislager ist wieder alles normal. Ich fühle mich besser. Im Laufe des Tages müssen wir das immer öfter machen. Die Sonne brennt unermüdlich und ebenso unermüdlich fließt das Schmelzwasser an unserem Zelt vorbei. Aus dem kleinen Rinnsal ist ein kleiner Bach geworden…wenn das so weitergeht müssen wir umziehen. Zum Glück stehen wir leicht erhöht, etwas außerhalb der Fließrichtung. Die Zelte unter uns sind bereits alle umgezogen. Auch der Zeltplatz von Sebi und Simone steht bereits in knöcheltiefem Wasser.
Wieder warten, lesen denken…und gelegentlich das Bachbett vertiefen. Zwei Müsliriegel sind unser Mittagessen. Zum Kaffee gibt es Mate. Die Toilettengänge sind hier einfacher. Ein paar Schritte weg vom Zelt und das wars. Das ist angenehmer als 200 Meter. So macht das Trinken auch wieder mehr Spaß. 5 Liter jeden Tag. Zuhause trinke ich maximal 3, selbst wenn ich Sport treibe. Das liegt hier an der sehr trockenen Luft. Ich denke an Juans Regel: Trinken, Pause, trinken…wenn nur die Warterei nicht wäre…ich verstehe nicht, weshalb ich es nicht einfach genießen kann. Urlaub. Keine Arbeit…doch genau das ist es, was mir fehlt. Ich liebe meine Arbeit. Ich lebe meine Arbeit. Aus welchem Grund auch immer, ich würde jetzt gerne an einem Projekt arbeiten. Ein Teamtraining oder so wäre wunderbar 8-)

Weshalb bin ich nicht mehr so sehr auf den Gipfel fixiert, wie vor der Reise? Die Sinnfrage schiebt sich immer weiter in meinen Kopf. Noch habe ich keine Antwort…
Es wird Nacht. Die Temperaturen fallen unter null Grad. Wind kommt auf. Der Windmesser zeigt einen Windchill von 8,4 an. Unser Wasserstrom vor dem Zelt kommt langsam zu stehen. Aus dem Wasser ist festes, blankes Eis geworden.
Leichte Kopfschmerzen in der Nacht. Das werden wohl die Nackenverspannungen von dem Rucksack sein. Morgen geht es ins Camp 2 auf 5800m. Wir wollen einen Teil unserer Ausrüstung nach oben bringen. In zwei Tagen werden wir ganz oben unser Zelt aufbauen und dann nach weiteren zwei Tagen den Gipfel machen.  

O2: 82%
Hf: 102 S/M

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